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Rückblick/2009/Vorwort

Das ist ein Rückblick auf ein Vorwort der Vorjahre, hier ist das aktuelle Vorwort.

21 Jahre Goldegger Blues & Folk Tage oder "Die Krise mit der Krise" oder "Doch nur jammern auf hohem Niveau?"

Liebe Freunde der Goldegger Blues & Folk Tage!

Krise: (griech.) K. bezeichnet eine über einen gewissen (längeren) Zeitraum anhaltende massive Störung des gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Systems. Es bezeichnet eine "entscheidende Wendung" (Duden) und bedeutet eine "schwierige Situation, oder Zeit, die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt" (Duden). Dass es sich hierbei um einen Wendepunkt handelt, kann jedoch oft erst konstatiert werden, nachdem die Krise abgewendet oder beendet wurde. Nimmt die Entwicklung einen dauerhaft negativen Verlauf, so spricht man von einer Katastrophe (wörtlich in etwa "Niedergang"). Krisen bergen gleichzeitig auch die Chance zur (aktiv zu suchenden qualitativen) Verbesserung.

Man muss in dieser Krise ja wirklich mit vielen Mitleid haben, vor allem mit einem Großteil der westlichen Welt, die in ihren Milch- und Getreidebergen schier zu ersticken droht, die glaubt, ohne zweimaligen Jahresurlaub mit Flug und "all inclusive" an depressiver Verstimmung zu Grunde gehen zu müssen, und sich darüber den Kopf zerbricht, ob man zusätzlich zu den Flachbildschirmen in Wohnzimmer und Schlafzimmer auch noch einen in der Küche installieren sollte. Natürlich auf Kredit oder in Raten, wenn das Bare nicht reicht, während in unzähligen Winkeln dieser Erde Menschen ums nackte Überleben kämpfen, oder auch mit dem Wenigen, das sie haben, zufrieden sind. Zur Zeit jedenfalls läuft die Umverteilung immer noch von Arm zu Reich, und nicht umgekehrt. Ist das die Krise, oder anders gesagt, die anhaltende massive Störung des gesellschaftlichen Systems?

Trotz alldem, Gott hab ihn selig. Schnell und spektakulär gelebt, und schnell und spektakulär gestorben. Man hätte meinen können, es wird ruhiger und besonnener, nach dem unfreiwilligen Abgang des einfachen Parteimitgliedes. Doch weit gefehlt, denn noch lauter, noch aggressiver, noch rücksichtsloser und vor allem noch unmenschlicher gebart sich sein selbst ernannter Erbe. Ein Kreuzritter, der die christlichen Werte gegen den immer bösen Andersgläubigen verteidigen will, aber selbst nicht viel Gefühl von Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe verspüren lässt. Aber warum ausgerechnet junge Menschen, die ihre Zukunft noch vor sich haben, einer Ideologie zulaufen, die in der Vergangenheit schon keine Zukunft hatte, ist wahrlich ein Rätsel, oder eine Krise, will heißen die anhaltende massive Störung des politischen Systems?

Da wären ja noch die armen Bank- und Börsenmanager, die ach so unsanft aus ihren feuchten Dollar-, Yen- und Euroträumen aufgeschreckt wurden. Doch Gott sei Dank, es war ja nur ein Traum, freut sich der Bänker, denn die Leistungsprämien, oder besser "Nichtleistungsprämien" fließen munter weiter auf die Konten der erfolglosen Finanzkeiler. Die Rettung fürs Unternehmen heißt Steuergeld, und dies scheint unerschöpflich durch den Fleiß der Untertanen. Wo die Gewinne der fetten Jahre sind, weiß natürlich keine S... Ist das die Krise in Gestalt einer anhaltenden massiven Störung des wirtschaftlichen Systems?

Man kann nur hoffen, dass dies der Wendepunkt vieler gefährlicher Entwicklungen ist und von der Mehrheit auch als solcher erkannt wird, um nicht erst zu spät draufkommen zu müssen, dass der Punkt ohne Wiederkehr bereits überschritten wurde. Jeder ist Teil dieses Systems und hat die Kraft zur Veränderung. Nicht jammern, sondern Mut zu Wende.

Liebe Freunde der Goldegger Blues & Folk Tage, auch wir vollziehen eine Wende, und zwar jene ins dritte Jahrzehnt der Goldegger Blues & Folk Tage, und von Krise weit und breit keine Spur.

Let's bluesing and folking

Juli 2009 Gü (Günther Eisenmann)