Locked History Actions

Rückblick/2000/Festivalbericht

"Im Kampf mit den Elementen" - Die 12. Goldegger Blues & Folktage von 30.6. bis 1.7.2000

Ein Festivalbericht von Martin Goller, ARGE Blues & Folktage

Wirklich ohne Übertreibung: heuer waren die Goldegger Blues- und Folk-Tage überschattet vom Kampf mit den diversen Elementen, die da sind:

  1. Element Einsamkeit: erstmalig musste die Arge Blues- und Folk-Tage auf die Mitarbeit des ehemaligen Hauptorganisators, nämlich Christian Lichtenberger, übrigens auch einer der Urväter des Festivals, verzichten.
  2. Element Zeit/Weg: einer der Hauptacts am Freitag, nämlich der Auftritt des wohl derzeit besten Blues-Musikers Österreichs, nämlich Oliver Mally, wurde in letzter Minute abgeblasen. Durch rasches Umorganisieren konnte der Abend gerettet werden!
  3. Element Wasser: sehr unangenehm bei einem Open Air wenn es vom Himmel fällt – Regen am Samstag!
  4. Element Geld: krasser Mangel an Sponsoren, kein Hauptsponsor – trotzdem: nächstes Jahr wird wieder voll durchgezogen (was auch immer das heissen mag)!

Soweit die Schlagzeilen. Tatsache ist: wenn nach 10 Jahren der Chef-Organisator der Goldegger Blues- und Folk-Tage, nämlich Christian Lichtenberger, sich völlig aus der Organisation des Festivals raushält (weil er heuer seinerseits im Kampf mit den Elementen war, nämlich mit Wind und Wasser, zumal er segelnd das Mittelmeer durchkreuzte), dann ist das eine herbe Sache für die neuen Organisatoren, die Arge Blues- und Folk-Tage, die seit dem vorigen Jahr die Goldegger Blues- und Folk-Tage managt. Im letzten Jahr hat Christian Lichtenberger noch lenkend und beratend eingegriffen, doch heuer war, wie gesagt, auch damit Schluss. Wie der Erlöser oder auch Phönix aus der Asche hat aber der Mitbegründer des Festivals Günther Eisenmann zu alter Begeisterung und Form zurückgefunden und somit den Mannen der Arge beigestanden.

Samstag nach dem großen Regen

Zum Musikalischen ist zu sagen, dass heuer wieder ein Programm der Extraklasse geboten wurde, zumal Spitzen-Musiker des Blues und Folk zugesagt hatten, was auch durch entsprechenden Zustrom von Besuchern honoriert wurde. Wermutstropfen am Freitag: der geplante Auftritt von Sir Oliver Mally`s Blues Destillery, wohl der derzeit besten Blues Formation Österreichs (und das ist gewiss nicht nur die Ansicht des Magazins „Concerto“) konnte nicht stattfinden. Die Gruppe hatte vor dem geplanten Auftritt in Goldegg noch einen Gig in Graz, welcher im letzten Moment vom dortigen Veranstalter auf eine spätere Uhrzeit verlegt wurde, sodass Sir Oliver Mally`s Blues Destillery eine Anreise nach Goldegg vor ca. 2 Uhr Früh nicht mehr möglich gewesen wäre. Schade!

Thomas Kleemaier

Trotzdem: Die Voodoo Hanks mit sake lieferten einen sensationellen Auftritt und machten eine irre Stimmung. Dass danach der geniale Thomas Kleemaier mit seiner Musik allzu ruhig wirken würde, war zu erwarten, aber nicht zu verhindern, da Mitglieder der Voodoo Hanks möglichst bald aus Goldegg abreisen mussten – zum nächsten Auftritt ! Somit mussten sie vor Thomas Kleemaier auftreten, jedoch haben die restlichen Voodoo Hanks mit sake, Thomas Kleemaier und Christian Mühlthaler am Schlagzeug eine erstklassige Jam-Session zum Ausklang des ersten Festival-Abends im Schlosshof hingelegt.

Sa:ke and the Voodoo Hanks

Am Samstag: strömender Regen während des Auftritts der Jazz-Formation „Last Train“, trotzdem beste Stimmung und ein (fast) voller Schlosshof.

Leider Regen bei Last Train

Dann aber wie bestellt, genau zu Auftritt der „Acapelicans“ aus Australien, einer a capella Gruppe aus 3 jungen Sängern, die auf Europa Tournee sind, hörte der Regen auf. Das Publikum erlebte Gesang auf höchstem Niveau, nicht umsonst gelten die Acapelicans als die beste Vokalgruppe Australiens und in ihrem Genre als eine der besten Ensembles der Welt! Das Publikum, vorher aufgewühlt durch Last Train, war momentan still, fast andächtig und voll konzentriert auf diesen ungewöhnlichen Hörgenuss, den die drei Australier boten.

Acapelicans aus Australien

Zum Schluss des Abends fetzte die Bernhard Egger Blues Band aus Heidenreichstein in bekannter und bewährter Manier voll ab – zur Freude der R&B- und Blues-Fans!

Bernhard Egger Blues Band

Zusammenfassend kann man sagen, dass dem Publikum ein Programm geboten wurde, das an Qualität und Abwechslung seinesgleichen in Österreich sucht und den Vergleich mit kommerziellen Veranstaltungen keineswegs zu scheuen braucht. Nur weil die Goldegger Blues- und Folk-Tage eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Lebenshilfe Schwarzach sind, heisst das noch lange nicht, dass seichte Unterhaltung geboten wird ! Pro Abend 5 Top-Bands zu 190 / 210 Schilling je Abend oder 300 / 350 Schilling als Festivalpass – wer kann das sonst noch bieten?

Spielraum Musik

Trotzdem: Ohne Sponsoren kann auch ein Benefiz-Festival nicht bestehen. Auch wenn das Schloss Goldegg gratis zur Verfügung steht, die Musiker auf ihre Gage verzichten,... Übernachtungs- und Fahrtspesen, Kosten für Bühne und Anlage usw. gehen ganz schön ins Geld. Sponsoren zu finden ist extrem schwierig, auch wenn man alljährlich mit Medienpräsenz (Lokalzeitungen, Salzburg-TV, Ö2,...) aufwarten kann. Dabei kostet ein Hauptsponsoring läppische 20.000,-- ÖS, das kann für ein grösseres Unternehmen wohl kein Problem sein ! Scheint aber doch so zu sein.

Much 2 Kangaroo

Die Goldegger Blues- und Folk-Tage finden nächstes Jahr trotzdem wieder traditionell am ersten Wochenende im Juli statt, die Vorbereitungen laufen schon, „Sir“ Oliver Mally hat schon fix zugesagt, einen Hauptsponsor wird man auch noch finden, eh` klar.

Feldkirchener Gospel Chor

Das heisst: man darf sich schon freuen und gespannt sein, auf das neue Programm.